Was ist Polyneuropathie


Medizinlexikon: Polyneuropathien

Der Begriff Nervensystem bezeichnet die Gesamtheit aller Nervenzellen in einem Organismus und beschreibt, wie diese angeordnet und miteinander verbunden sind. Bei der Unterteilung des gesamten Nervensystems nach anatomischen Gesichtspunkten unterscheidet man das Zentrale Nervensystem (ZNS) - es besteht aus Gehirn und Rückenmark - und das Periphere Nervensystem (PNS).

Die außerhalb des Zentralnervensystems liegenden neuronalen Strukturen werden zum peripheren Nervensystem gezählt. Das periphere Nervensystem wird wiederum in das somatische Nervensystem und das vegetative Nervensystem (bestehend aus Sympathikus, Parasympathikus und enterischem Nervensystem) untergliedert.

Nervenerkrankungen: bei den Krankheiten des Nervensystems unterscheidet man

  • durch Gewalteinwirkung bedingte Veränderungen (Gehirnerschütterungen, Gehirnprellung, Schädelbruch usw.)
  • Infektionskrankheiten (Meningitis, Enzephalitis, Kinderlähmung usw.)
  • degenerative Erkrankungen (Alzheimer, Parkinson, Schlaganfall, Multiple Sklerose, usw.)
  • sonstige (Epilepsie, Gehirntumore, Polyneuropathien bzw. Nervenerkrankungen)

Beschreibung

Die Österreichische Gesellschaft für Neurologie beschreibt die Krankheit wie folgt: Bei Polyneuropathien handelt es sich um Erkrankungen der peripheren Nerven, ohne dass dieser eine Verletzung vorausgegangen wäre. Die Erkrankung macht sich häufig zunächst durch Bamstigkeitsgefühl an den Füßen und Händen durch ein Kribbeln bemerkbar. An den Fußsohlen können brennende Schmerzen auftreten. Es können auch Lähmungen (Schwäche) und ein Muskelschwund auftreten. Die Symptome treten meistens an den Füßen, seltener an den Händen auf, können in manchen Fällen aber auch andere Teile des Körpers betreffen. Typisch ist ein seitengleiches Verteilungsmuster der Symptome.

Häufige Ursachen von Polyneuropathien sind Alkoholmissbrauch und Zuckerkrankheit (Diabetes), aber auch Vergiftungen mit Chemikalien, verschiedene Medikamente, Stoffwechselstörungen, wie Leber- und Nierenerkrankungen oder Infektionen, z.B. mit Viren können zu Polyneuropathien führen. In manchen Fällen sind sie auch erblich bedingt. Bis heute hat die Wissenschaft mehr als 200 verschiedene Ursachen für eine Polyneuropathie gefunden.

Symptome

Die Symptome einer Polyneuropathie werden durch die Schädigungen von motorischen, sensiblen und vegetativen Nervenfasern hervorgerufen. Je nachdem, welcher Bereich des peripheren Nervensystems betroffen ist, variieren die Beschwerden nach Art und Intensität.

In den meisten Fällen beginnt die Krankheit mit Sensibilitätsstörungen an den Extremitäten (Arme und Beine), und hier in erster Linie an den Beinen. Ein Kribbeln in den Füßen, als wären sie eingeschlafen, kann das erste Zeichen sein. Dann kommen Taubheitsgefühle und brennende Schmerzen hinzu. Die anfänglich ausgeprägte Berührungsempfindlichkeit schlägt ohne Behandlung nach und nach in eine zunehmende Gefühllosigkeit um. Viele Betroffene spüren weder Schmerz, noch Hitze und Kälte. Die Beschwerden im Überblick:

  • Kribbeln
  • Wärme- und Kälteparästhesien
  • Stechen
  • Elektrisieren
  • Pelzigkeits- und Taubheitsgefühle
  • Schwellungsgefühle
  • Gefühl des unangenehmen Drucks
  • Gefühl des Eingeschnürtseins
  • Gangunsicherheit, insbesondere bei Dunkelheit
  • Fehlende Temperaturempfindungen
  • "schmerzlose" Wunde

Dazu gesellen sich oft motorische Reiz- und Ausfallerscheinungen:

  • Muskelzucken
  • Muskelkrämpfe
  • Muskelschwäche
  • Muskelatrophie

Therapie

Laut Österreichische Gesellschaft für Neurologie ist eine gezielte Behandlung nur dann möglich, wenn die Ursache der Polyneuropathie erkannt wurde. In diesem Falle muss versucht werden die Ursache oder mögliche auslösende Krankheit zu beseitigen oder behandelt werden (z.B. Behandlung der Alkoholkrankheit mit Alkoholverbot bei Alkoholmissbrauch oder Behandlung der Zuckerkrankheit). Liegt der Polyneuropathie eine nicht behandelbare Erkrankung zugrund oder lässt sich die Ursache der Polyneuropathie nicht entdecken, dann können nur die Symptome behandelt werden.

Hier spielt vor allem die Schmerzlinderung eine wichtige Rolle. Weil nichtopioide Schmerzmittel bei neuropathischen Schmerzen in vielen Fällen nicht wirksam sind, müssen zur Schmerzlinderung häufig auch Medikamente verschrieben werden, die sonst zur Behandlung von Krampfleiden eingesetzt werden (Antikonvulsiva), oder Antidepressiva.

Vorbeugung

Bei den ersten Krankheitsanzeichen, wie zum Beispiel bei häufigem Kribbeln oder Bamstigkeitsgefühl an den Füßen oder Beinen, einem Brennen in den Fußsohlen oder Schmerzen in den Beinen, sollte rasch eine Neurologin/ein Neurologe aufgesucht werden, damit rechtzeitig die Ursache erkannt und mit einer geeigneten Behandlung begonnen werden kann. Wenn Sie unsicher sind ob Sie mit solchen Symptomen zu einer Neurologin/einem Neurologen gehen sollen, dann beraten Sie doch mit Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt, was am Besten zu tun ist.

Denn bei infektiösen Polyneuropathien ist die Frühdiagnose entscheidend: Mit einer ursächlichen medikamentösen Therapie können chronische Beschwerden und Komplikationen vermieden werden.

Diabetikern wird eine gute Schulung zur Selbstkontrolle des Blutzuckers, eine gründliche diätetische Beratung sowie eine Bewegungstherapie empfohlen. Sie sollten regelmäßig den Hausarzt für laborchemische und klinische Kontrollen sowie eine medizinische Fußpflege aufsuchen.

Die Polyneuropathie durch Alkohol lässt sich durch absolute Alkoholkarenz verbessern.

Linktipps:

- Österreichische Gesellschaft für Neurologie
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie
- Womit beschäftigt sich die Neurologie?
- Gemeindenahe Rehabilitation
- Multiple Sklerose, Sexualität & Partnerschaft
- Yusho Krankheit ' Krankheitslexikon
- Krankheitslexikon: Krankheiten & Symptome

Zur Information: Diese Informationen wurden - im Sinne mündiger Patienten - für interessierte Laien eingerichtet. Keinesfalls dürfen sie als Ersatz für medizinsche Beratung und Hilfe seitens qualifizierten Personals aus dem jeweiligen Fachbereich angesehen oder eingesetzt werden. Kontaktieren Sie bei Beschwerden jedenfalls den Arzt Ihres Vertrauens!

3. November 2015

weiterführende Literatur